Balkonkraftwerk Jahresertrag

Ein Jahr Balkonkraftwerk – Mein Fazit

Unglaublich wie schnell die Zeit vergeht, vor ungefähr einem Jahr habe ich unser 600W Balkonkraftwerk in Betrieb genommen und kurz darauf die erste Kilowattstunde selbst erzeugt. Nicht ganz 365 Tage und 572,24 kWh später ist die Zeit für ein Langzeitfazit gekommen. Dementsprechend möchte ich euch in diesem Beitrag einen Überblick geben von der Anmeldung über die Beschaffung bis hin zur Inbetriebnahme der Anlage geben.

Vorbereitung & Beschaffung

Weit vor der eigentlichen Beschaffung der Anlage, habe ich mich mindestens ein Jahr mit dem Thema Solarenergie auseinandergesetzt. Angefangen bei den unterschiedlichen Modultypen, der möglichen Leistung die in meiner Region möglich ist, bis hin zu den verschiedenen Betriebsmodi. Auch wenn jetzt viele Betreiber von Balkonkraftwerken laut aufschreien, habe ich mich vorab mit meinem ansässigen Energielieferanten in Verbindung gesetzt und die Voraussetzungen einer Anlage abgeklärt. Natürlich bin ich bei meinen Recherchen auch auf die Diskussionen gestoßen, wo es heißt das man die Anlage einfach einstecken soll und dem Lieferanten nicht sagen soll. Persönlich bin ich zum Schluss gekommen, dass ich alles in Zusammenarbeit mit meinem Energielieferanten realisieren möchte, um möglichen Komplikationen oder Hindernissen frühzeitig zu begegnen.

An dieser Stelle klar die Ansage von mir, dass ich in diesem Beitrag keine Empfehlung abgeben möchte, sondern nur meine Vorgehensweise und Erfahrungen widerspiegeln.

Der lästige Papierkram

Nach den Gesprächen und Abstimmungen mit dem Energielieferanten den Mainzer Netzen begann auch schon das Thema Papierkram. Entgegengesetzt meiner Befürchtungen, wie in einigen Foren beschrieben, hatte ich keine Probleme bei der Anmeldung. Der Zuständige Mitarbeiter der Mainzer Netze ist mir eher positiv in Erinnerung geblieben, da dieser mir den Anmeldeprozess und die Unterlagen ausführlich erklärt hat und auch bei Rückfragen beratend zur Seite stand. Als ich die letzten Wochen nochmal auf der Website nachgesehen hatte, habe ich gesehen, dass die Anmeldung eines Balkonkraftwerks nun deutlich einfacher gestaltet wurde und in meinen Augen von jedermann in wenigen Minuten vollzogen werden kann.

Nachdem der Papierkram folgte, die im folgenden beschriebene Beschaffung, jedoch möchte ich in dieser Stelle auch auf die Anmeldung im Marktstammdatenregister eingehen. Ich weiß nächster Aufschrei wie ich das Ganze nur registrieren kann, ich halte es dennoch für richtig. Meine Entscheidung beruht auf dem Gesetzt vom 01. Juli 2017 zur „Verordnung über das zentrale elektronische Verzeichnis energiewirtschaftlicher Daten – Marktstammdatenregisterverordnung“ in welcher folgende Anmerkung festgeschrieben ist:

Die Pflicht zur Registrierung nach den Absätzen 1, 3 und 4 Satz 1 entfällt bei Stromerzeugungseinheiten, Stromspeichern sowie EEG- und KWK-Anlagen, wenn sie weder unmittelbar noch mittelbar an ein Stromnetz angeschlossen sind oder an ein Stromnetz angeschlossen werden sollen.

Angesichts der Tatsache, dass ich meine Anlage direkt mit der Hausverkabelung verbunden habe, sehe ich die Registrierung als verpflichtend an.

Eine EEG-Umlage habe ich nicht beantragt!

Beschaffung

Die nächste Hürde lag in der Beschaffung, ihr fragt euch wie kann eine Beschaffung als Hürde gesehen werden? Ganz einfach die riesige Auswahl an Herstellern und Lieferanten über welche man sich die Anlage beschaffen kann. Schlussendlich habe ich nach langen hin und her mich auf einen Lieferanten einige können, dessen Shop mir als vertrauenswürdig vorgekommen ist. Dennoch habe ich zuerst ein Modul bestellt, um mich von der Qualität der Produkte und der Lieferung überzeugen zu können. Glücklicherweise waren meine Zweifel unberechtigt, da sowohl die Lieferung per Spedition als auch die Qualität für mich zufriedenstellend war. Da ich hier keine Werbung machen möchte, erwähne ich den Namen des Shops nicht.

Inbetriebnahme

Die Inbetriebnahme gliederte sich bei mir in mehrere Schritte. Nachdem ich die ersten Tests mit der Anlage erfolgreich durchgeführt habe, indem ich das Modul auf dem Boden zusammengesteckt hatte und entsprechend mit dem Hausnetz verbunden habe, war es an der Zeit die Anlage an die finale Position zu befestigen. Dazu habe ich mir in Eigenregie eine Wandhalterung für die Anlage angefertigt, da ich offen gesagt zu geizig war, für mir nicht zusagenden Halterungen, Geld auszugeben. Den Bau meiner ersten Halterung habe ich im Folgenden Beitrag detailliert beschrieben.

Installation

Nachdem der Halter, gemeinsam mit meinem Vater, angefertigt und an der Hauswand verschraubt war, mussten die Module daran angebracht werden. Dazu ist zu sagen, dass der Halter aus zwei Teilen bestand. Der erste Teil befand sich bereits an der Hauswand und am zweiten Teil wurden die Solarmodule verschraubt. Der Halter wurde von uns direkt auf die Vorbohrungen der Module angepasst. Nachdem alles miteinander verschraubt war, kam der heikelste Moment der Installation. Die Module musste mit dem ersten Teil an der Wand verbunden und verschraubt werden, was nur mit vereinten Kräften und drei Personen zu bewerkstelligen war. Abschließend haben wir die Wechselrichter noch an der Wandhalterung verschraubt.

Elektroinstallation

Am kommenden Tag habe ich mich mit der Elektroinstallation befasst. Beginnend mit der Verbindung der Module mit den Wechselrichtern. An den Modulen sich jeweils zwei Kabel befestig eines für plus und eines für minus. Beide Kabelenden sind mit sogenannten MC4 Abschlüssen versehen, dabei befindet sich am Pluspol ein MC4 Stecker und am Minuspol eine MC4 Buchse. Dementsprechend konnte das Modul nicht falsch mit dem Wechselrichter verbunden werden. Anschließend habe ich beide Wechselrichter miteinander verbunden. Die von mir eingesetzten Wechselrichter der Firma Envertech EVT300 bieten die Möglichkeit direkt miteinander verbunden zu werden, wodurch ich nicht zwei Hauseinführungen benötige.

Anschließend befasste ich mich mit der Hauseinführung inkl. hausinternen Verkabelung. In meinem Fall ist die Anlage direkt auf den Sicherungskasten aufgelegt. Aus Sicherheitsgründen habe ich die Anlage doppelt gesichert. Im Sicherungskasten ist die Anlage auf einem separaten Sicherrungsautomat aufgelegt und kann einzeln ausgeschaltet werden, sowie einen weiteren Trennschalter, wodurch man schnell die ganze Anlage vom Netz nehmen kann.

Nachdem alle angeschlossen und verkabelt war, muss ich nur noch auf den Austausch der Messstelle durch den Netzbetreiber warten. Bei der Installation einer Solaranlage muss ein Zweirichtungszähler verbaut werden, welcher etwaigen Strom, welcher zu viel erzeugt und ins öffentliche Stromnetz eingespeist wurde zählt.

Erzeugung

Kommen wir zum spannenden Teil, wieviel Strom habe ich in einem Jahr erzeugt? Insgesamt haben meine beide Solarpanel stolze 572,24 kWh erzeugt. Umgerechnet mit dem durchschnittlichen Strompreis einer Kilowattstunde in Deutschland, ca. 0,30 Euro, komme ich auf eine Ersparnis von 171,62€.

Das klingt im ersten Moment ja eigentlich ganz gut, oder? In meinen Augen schon! Jetzt kommt das große ABER. Von den 572,24 kWh, konnte ich nicht alles selbständig verbrauchen, wodurch es zur Einspeisung in das öffentliche Netz kam. Die Einspeisung lag für 2021 bei insgesamt 73 kWh, umgerechnet 21,90€. Bei der Berechnung muss beachtet werden, dass hierbei nicht der Durchschnittspreis pro kWh von 0,30 € angesetzt werden darf, sondern laut EEG-Umlage 6 Cent. Entsprechend komme ich auf 4,38€, welche mir mein Stromanbieter zahlen müsste. An dieser Stelle muss ich eingestehen, dass ich bis zum heutigen Tage keine EEG-Umlage beantragt habe. Dementsprechend habe ich den zu viel erzeugten Strom verschenkt… Abzüglich der 73 kWh habe ich mit der Anlage eine Ersparnis von 149,77€ erwirtschaftet.

Anhand dieser Werte kann der Eigenverbrauch und die Autarkie berechnet werden. Im Jahresdurchschnitt liegt der Eigenverbrauch bei 87,51% und meine Autarkie bei 14,15%. Der Beste Monat bezüglich Autarkie war der Monat Dezember und Januar bezüglich des Eigenverbrauchs. Dabei muss man zugeben, dass ein Eigenverbrauch von 100% im Januar und Dezember zwar super klingt, aber bei den schlechten Lichtverhältnissen kaum Strom erzeugt wurde. Der Rekord der erzeugten kWh war am 26.04.2021 mit 4 kWh.

Balkonkraftwerk Eigenverbrauch Autarkie

Amortisation

Für viele sicherlich spannend wann sich meine Anlage amortisiert. Auf Basis des vergangen Jahres würde sich das Balkonkraftwerk nach 6,78 Jahren amortisieren. Durch die Leistungsgarantie und Garantie der Wechselrichter kann davon ausgegangen werden, dass ich mindestens 8,22 Jahre Gewinn mit der Anlage machen werde. Auf Basis der Werte von 2021 wären dies bis zum Ablauf der Garantie ca. 1.231€. Insofern ich die Berechnung auf der Grundlage meiner Module, welche einer Leistungsgarantie von 30 Jahre haben anstelle komme ich auf ca. 2.716€. Hierbei ist zu beachten, dass der Austausch der Wechselrichter mit ca. 300€ angesetzt wird. Sollten sich bis dahin die Strompreise erhöhen ist mit einer kürzeren Amortisation und einem höheren Gewinnzeitraum zu rechnen.

Amortisation: 1.015,63€ / 149,77€ = 6,78 Jahre

Gewinn 15 Jahre: 149,77€ * 8,22 = 1.231€

Gewinn 30 Jahre: 119€ * 15 = 1.785€ – 300€ + 1.231€ = 2.716€

Weitere Informationen könnt ihr auf der Seite zu meiner PV-Anlage entnehmen.

Was würde ich heute anders machen?

Das ist immer eine gute Frage. Reflektierend würde ich nur das Monitoring der Anlage verändern. Aktuell monitore ich die Anlage über die EnverBridge EVB202, welche direkt vom Hersteller ist. Warum würde ich das ändern? Einfach gesagt, da ich das Monitoring nur für Wechselrichter der Firma Envertech verwenden kann. Ich bin zufrieden mit den Produkten, jedoch bin ich über das Monitoring an den Hersteller gebunden. Aus diesem Grund würde ich ein Hersteller neutrales Monitoring umsetzen. Ansonsten würde ich alles identisch zu umsetzen wie beschrieben.

Fazit

Zusammenfassend kann ich sagen, dass ich bis zum heutigen Tag nicht eine Sekunde bereut habe ein Balkonkraftwerk anzuschaffen. Meine anfänglichen Befürchtungen, bezüglich Hürden bei der Anmeldung und Abstimmung mit dem Energielieferanten haben sich glücklicherweise nicht bestätigt. Entsprechend habe ich mich während der ganzen Projektrealisierung durchweg gefreut und tue dies bis heute. Jede selbsterzeugte Kilowattstunde lässt mich leicht schmunzeln und in gewissermaßen hat mich auch das Solarfieber gepackt. Ich erwische mich immer wieder dabei, wie ich überlege, was ich noch mit einem Solarmodul realisieren kann. In regelmäßigen Abständen werde ich euch über meine Anlage berichten und auf dem Laufenden halten.

Abschließend kann ich jedem, der die Möglichkeiten hat eine Anlage zu betreiben dies in die Wirklichkeit umzusetzen, denn neben der positiven Auswirkung bezogen der finanziellen Aspekte, leistet die Anlage auch einen Beitrag zum Umweltschutz.

Video

Die gesamte Auswertung meines Ertrags im ersten Jahr könnt ihr euch auch als Video auf meinem Youtube-Kanal ansehen.

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2 comments

  1. Hans-Georg Wanderer

    Hallo,
    bin gehöre mit 68 Jahren zwar schon zum „älteren Semester“, bin aber immer schon immer den Neuerungen, die die Entlastung der Umwelt u.s.w. angehen, interessiert und aufgeschlossen gewesen. Habe in 2009 eine Photovoltaikanlage installieren lassen und auch bis jetzt nicht bereut!
    Werde immer mal wieder deinen YouTube-Kanal besuchen.Es scheint mir, dass du sehr gewissenhaft und ehrlich berichtest.
    Habe auch schon mal versucht, ein Balkonkraftwerk bei unserem EVU (Elektro-Versorgungsunternehmen) anzumelden, oder besser gesagt mich erst einmal darüber zu informieren, wie ich dies angehen kann. Damit bin ich aber bei unserem EVU total auf Granit gestoßen. Ich erhielt nur die ganz kurze Mitteilung, dies sei nicht erlaubt! Es ist also in unserem Land nicht überall so toll und einfach!
    Liebe Grüße, Hans.Georg Wanderer

    • Hi Hans-Georg,
      vielen Dank für dein positives Feedback.

      Es ist wirklich sehr Schade, da es immer noch Probleme bei der Anmeldung von BKWs in Deutschland gibt. Eigentlich sollten die Netzbetreiber froh sein, dass die Menschen einen Teil zur Energiewende beitragen wollen.

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